Donnerstag, 14. April 2016

Virtueller Rundgang durch die Musikstadt Trossingen

Die Intention meiner virtuellen Rundreisen ist es, jedem das reale Deutschland im Jahr 2016 zu zeigen und zwar jenseits der rosarot gefärbten Medien. Ich wohne zwar nur eine knappe halbe Stunde über die Autobahn A 81 entfernt von Trossingen, war aber noch nie in der Innenstadt. Meine Generation kennt Trossingen noch aus den Zeit der Firma Hohner, welche für ihre Akkordeons und Mundharmonikas weltweit berühmt war. Doch das ist heute weitgehend Geschichte und nur noch die Staatliche Hochschule für Musik knüpft an diese Tradition an. Beim Rundgang durch Trossingen bei schönem Wetter hört man aus vielen Häusern die Übungen der Musikstudenten an ihren Instrumenten. Und in den Straßen sieht man einige Musikinstrumente auf dem Rücken ihrer Musikanten. Auf der Suche nach dem eigentlichen Stadtmitte bin ich nicht richtig fündig geworden. Ich startete meine Kamera deshalb an einem schönen alten Haus in der Kirchstraße. Über die Löhrstraße ging es dann weiter in Richtung Marktplatz. Hier sieht man schon von weitem den Dinosaurier vom dazu gehörenden Museum im Auberlehaus. In der Hauptstraße bog ich dann nach links in Richtung Campus ab. Die Staatliche Hochschule für Musik ist heute das wahre Zentrum Trossingens. Hier war am meisten los und hier stehen die markantesten Gebäude. Direkt hinter dem Campus befindet sich das Kesselhaus und die historischen Fabrikationsanlagen der Firma Hohner. 1995 verließ die Firma Hohner dieses Firmengelände in der Stadt und siedelte in ein Gewerbegebiet am Stadtrand um. Seit dem Krisenjahr 1987 schrumpft das Unternehmen vor sich hin. Die Kernkompetenz der Herstellung von Musikinstrumenten konnte auch durch den frühen Einstieg in das Geschäft mit den Elektronikorgeln nicht verteidigt werden. Hier fehlten einfach die Synergieffekte durch eine deutsche Computerindustrie, welche leider nie zustande kam. Der Computer wurde zwar in Deutschland von Konrad Zuse erfunden, aber später in den USA und Japan gefertigt. Heute ist China der größte Produktionsstandort für Elektronikprodukte und auch die Entwicklung neuer Produkte erfolgt heute von Chinesen. Deshalb dienen die alten Fabrikgebäude der Firma Hohner heute als Lofts und Büros für Kommunikationsunternehmen. Wir verlassen das alte Firmenareal von Hohner über den Haupteingang und sehen uns noch ein paar schöne alte Häuser gegenüber an, bevor wir über die Cluser Straße in die Bahnhofstrasse gehen. Dort endet unser Rundgang durch die Stadt Trossingen, welche dringend eine Neuausrichtung sucht. Touristisch kann Trossingen wenig aufbieten und als Einkaufsstadt ist sie nicht anzusehen. Die Musikstadt muss sich tummeln, bevor die Musik endgültig verstummt.

    

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