Mittwoch, 13. April 2016

Virtueller Rundgang durch St. Georgen im Schwarzwald

Wenn man mit dem Auto von Hornberg in Richtung Villingen-Schwenningen fährt, dann kommt man eigentlich den Ortsschildern zufolge durch St. Georgen im Schwarzwald. Meint man zumindest. Doch die wirkliche Stadt liegt oben auf dem Berg und da bin ich kürzlich erstmals hinauf gefahren. Die Bundesstraße 33 führt lediglich durch das Industriegebiet, in welchem im letzten Jahrhundert der Mercedes unter den Plattenspielern seinen Hauptsitz hatte: DUAL. Das wurde mir selbst auch erst wieder bewusst, als ich bei meinem Rundgang plötzlich vor dem Deutschen Phonomuseum stand. Und dies obwohl ich vor einem Vierteljahrhundert noch die kümmerlichen Überreste von DUAL besichtigt hatte. Heute steht St. Georgen leider für nichts mehr. Das Technologiezentrum und ebm Papst können mich jedenfalls nicht davon überzeugen, dass sich hier jemand auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet hätte. Doch sehen Sie selbst. Wir starten in der Friedrichstraße in der Nähe des überdimensionierten EDEKA-Lebensmittelmarkts und gehen durch die Fußgängerzone im Charme der siebziger Jahre bis zur Gewerbehallestraße. Dieser folgen wir links in die Bahnhofstrasse und stehen dann unvermittelt vor dem Deutschen Phonomuseum. Zumindest vor dessen unübersehbarer Beschilderung. Dann geht es über den Bärenplatz über die Hauptstrasse am Rathaus vorbei. Auch das Rathaus wurde erkennbar mit den noch sprudelnden Gewerbesteuern von DUAL und anderen Unternehmen vor Ort geplant. Ob es damit noch bezahlt wurde ist sehr unwahrscheinlich. Denn mit dem Ende der siebziger Jahre ging das deutsche Wirtschaftswunder endgültig von der Bühne ab. Es folgte dann dann die kurze japanische Ära, welche mit dem Cassettenrecorder, dem Walkman und dem Videorekorder das Zeitalter der Schallplatten ablöste. Hinter dem Rathaus sieht man rechts die Gebäude der Elektromotorenfabrik ebm-Papst (dem deutschen Zusammenschluss mehrerer bis 2003 unabhängiger Unternehmen, welches als eine Art von Vorstufe des Untergangs von Branchen zu sehen ist) und dann geht es noch weiter bis zur Lorenzkirche und hinunter zu einem längst verwelkten Stadtpark aus den fünfziger Jahren. Die innerstädtischen Straßen sind zwar in einem guten bis sehr guten Zustand, aber das Zentrum von St. Georgen ist aus der Sicht des Einzelhandels bald tot. Mit KIK und Co. kann man im Industriegebiet leben, aber in der Innenstadt ist das der sichtbare Anfang vom Ende. Hier kommt man nicht zum Shopping und sehen bzw. gesehen zu werden. Architektonisch gibt es hier nur sehr wenig zu bewundern und die noch vorhandenen Geschäfte sind austauschbar. Da muss man nicht extra auf den Hügel zu fahren. Das kauft man alles besser unten im Tal. Im Standbild des Videos ist übrigens das Rathaus mit Brunnen zu sehen.

    

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